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100 FRAGEN
AN MARIAH CAREY
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100
Fragen an ... Mariah Carey. So schnell wie möglich, denn wir haben
ja nicht ewig Zeit.
Hotel Bayerischer Hof,
München, im Dezember. Sie, mit 17 Nummer- eins-Hits der
erfolgreichste weibliche Popstar aller Zeiten, ist hier, um noch einen
Preis - vergessen, welchen - entgegenzunehmen. Sie musste dazu
überredet werden, dieses Interview zu geben. (Hintergrund: Der
Witzbold Oliver Pocher hatte sie im Fernsehen als
»Presswurst« be- zeichnet. Das hat sie verletzt. Das
möchte sie, verständlich, nicht noch mal erleben.) Der
Plattenfirma wird also versprochen, dass es nicht interessant ist,
Mariah Carey doof zu finden, im Gegenteil. Man stellt sie sich traurig
vor. Man möchte sie streicheln, stützen, ihr Mut zusprechen.
Der Alten, so hört man, bricht doch andauernd und in den
dümmsten Situationen der Absatz ab. Hundert liebe, leere,
zuckersüße Fragen an Mariah Carey (und trotzdem wird der
Reporter sie zu ihrer angeblichen Tablettensucht und einem angeblichen
Selbstmordversuch befragen, mal sehen). Dreißig Minuten: gute
Zeit. Ein Assistent reicht den vom Ma- nagement redigierten
Fragenkatalog herein, hinter knapp der Hälfte der Fragen steht
»No«. Sie kommt mit Entourage; legt sich auf ein Sofa;
Entourage ab. Die liegende Mariah: viel Mariah auf einmal. Sie ist ge-
schätzte Einmeterfünfundachtzig groß. Sie liegt so,
dass man ihre Absät- ze von unten betrachten muss, viel Haut, viel
Fleisch. Ihr beeindru- ckender Busen. Er, Busen, hat die
Größe zweier großer Männerbäuche. Um ihren
Prachtbody spannt sich ein hellblaues Strumpfkleid (über dieses
Kleid allein ließe sich ein dreiseitiger, topinteressanter
Aufsatz verfassen: was es über Mariahs Herkunft alles sagt, ihren
Märchenauf- stieg, Pop und Pomp und ihre Lust, für all das
von irgendjemandem bestraft zu werden - die ganze Story, das ganze
Leid). Sie kramt ein Asthmaspray hervor, sprüht sich in den Mund.
Lächeln. Es bockt so brutal, dass man sich das hier - diese Show!
- jetzt dreißig Minuten angucken darf. Hundert Fragen? Ja,
jundert Fragen; und kurze Antworten, bitte. Und keine Angst. Vor was
auch? Wir werden warm.
001 SZ-Magazin: Rot oder
Rosa? Mariah Carey: Rosa.
002 Seide oder Kaschmir?
Seide
003 La Mer oder Dr Sebagh?
Keine Marken. Ich benutze nur die Produkte, die mein Dermatologe
für mich anmischt. Meine Mutter ist irisch, ich habe empfindliche
Haut. Pscht! Das Spray. Sie setzt
ihr supersüßes Lächeln auf. Man begreift gleich, dass
das eine Nummer ist, die Mariah-Carey-Nummer: Sprühen,
Lächeln, Süß-gefunden-werden- Wollen, in dieser
Reihenfolge. Das mit dem Atemspray macht sich natürlich todschick.
Sie hat eine Souldiven-Stimme: vibrierend, volumi- nös, toll tief.
004 Mariah,
Glückwunsch! 17 Nummer-eins-Hits, 155 Millionen verkaufte Alben!
Sie sind die erfolgreichste Popkünstlerin aller Zeiten. Toll!
Danke.
005 Ist eine Auszeichnung
übrig, den Oscar einmal ausgenom- men, die Sie noch nicht gewonnen
haben? Nur der Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Die
schönsten Preise sind die Geschenke, die meine Fans mir
überreichen. Wie dieses hier. Sie
hält einen Knautsch aus Papier, Folie und einem Foto hoch:
Bastelarbeit eines Fans. Der Knautsch fällt wieder neben das Sofa.
006 Eine Regel, die man
beherzigen sollte, wenn man um acht Uhr morgens am Times Square vor
einem kreischenden Pulk Fans einen Auftritt hat? Habe jemanden
neben dir, der ein Glas heißes Wasser hält. Die Luft um
diese Tageszeit kann sehr problematisch sein für die Stimme.
007 Ihre
Nummer-eins-Hit-Formel? Schreib einen Song, mit dem alle
Altersklassen, alle Rassen etwas anfangen können.
008 Könnte es ein
Spaß sein, den Elvis-Rekord von 18 Num- mer-eins-Hits mit einer
Coverversion von In The Ghetto einzu- stellen? Das könnte
ein Spaß sein. Ich meine: nicht wahr? So viel könnte ein
Spaß sein. Lächeln, ein
vieldeutiges. Ach so? Wieso? Was soll und das sagen? Ein Problem der
100 Fragen ist ja, dass man (Leser, Star, Interviewer) nach zehn Fragen
oft schon genug hat, so viel wird gesagt. Sie sortiert ihre Beine neu,
zieht den Bund des Körperstrumpfes am Oberschenkel runter Richtung
Knie. Man würde tendenziell gern noch weniger sagen, noch weniger
hören. Schade, aber ganz ohne Höhepunkte geht's leider nicht.
Wir zerren dieses Interview also auf seinen schmerz- haften
Höhepunkt und ruhen uns dann, siebzig, achtzig Fragen lang,
gemeinsam mit ihr und dem Spray aus. Let's go.
009 Zu Ihrer Herkunft aus
den viel zitierten ärmlichen Verhält- nissen: ein Bild, das
diese Herkunft illustriert? Ich laufe durch Manhatten auf
Sohlen, die bloß aus Löchern bestehen, und es liegt Schnee.
Den Schmerz, den jeder Schritt bedeutete, vergisst du nie.
010 Als Kind unter Hunger
gelitten? Nicht unter Hunger, nein. Es gibt verschiedene
Abstufungen von Armut. Bei uns kamen große Mengen nicht gerade
wertvollen Essens auf den Tisch. Verstehen Sie: Arme Leute sind nicht
auf Diät.
011 Der Name Ihrer ersten
Barbie? Superstar
012 War es eine
Ohrfeigen-Jugend? Es war keine glückliche Ju- gend. Ich
hatte keine Jugend.
013 Der golgende Ratschlag
Ihrer Mutter? Sag nicht «Ja, aber», wenn du
«Ja» sagen kannst.
014 Ein paar
Mariah-Titulierungen aus der Presse. Sie sagen blitzschnell, ob Sie
etwas damit anfangen können. Diva. Okay. Passt.
015 Süßes,
unschuldiges, zwölfjähriges Mädchen. Das trifft
zu, ja. Das bin ich.
016 Aschenputtel.
Uncool. Wer will Aschenputtel sein?
017 Die größte
Stimme seit Aretha Franklin. Tolles Kompliment.
018 Bücherwurm.
Bücherwurm? Bücherwurm, ja.
Albert Einstein. Ein besonderes Kompliment, sicherlich. Aber das
bin ich nicht. Wenn ich mehr Zeit hätte, dann würde ich mehr
Bücher lesen.
019 Der hübscheste
Nervenzusammenbruch der Musikgeschichte. Der hübscheste...
Kopfschütteln. Sie spricht
nicht weiter. Mund auf, Mund zu. Macht da an ihrer Spraydose rum.
Noch einmal blitzschnell.
Ich erinnere Sie an vier klassische Mariah-Momente Ihrer Karrie- re,
Sie kommentieren. Ich weiß nicht, ob ich das kann.
020 1989 - Sie sind 18
Jahre alt und bedienen in einem Burger- Restaurant - zeigt der
Plattenboss Tommy Mottola auf Sie und sagt: «Sie! Sie wird mein
neuer Star!» Wahr. Nachdem er meine Stimme gehört
hatte. Er hat mich aber niemals als Kellnerin ar- beiten sehen.
021 1992 geben Sie Ihrem
großen Mentor das Jawort. Tommy und Mariah feiern eine
Märchenhochzeit. Korrekt.
022 Ein Unfall, Fauxpas,
lustiges Detail bei dieser Hochzeit, das danebenging? Die ganze
Hochzeit war total daneben. Entschuldi- gung.
023 2001 gibt Mariah ein
MTV-Interview. Sie schwitzt, stammelt, brabbelt Blödsinn. Das
Interview wird abgebrochen. Menschen, die keine Erfahrung mit
Fernsehauftritten haben, können das schwer nachvollziehen. Es gab
eine Fehlschaltung in meinen Ohr- steckern. Ich hatte ein Stimmengewirr
in den Ohren, sollte aber gleichzeitig auf Fragen antworten, was schwer
möglich ist. Alle wa- ren furchtbar aufgeregt. Es war ein Witz.
Die Dinge bekamen nach- träglich Gewicht, weil ich zwei Tage
später einen Schwächeanfall erlitt und ärztliche Hilfe
in Anspruch nehmen musste.
024 Ein Selbstmordversuch
am Höhepunkt Ihrer Erschöpfung und Ihres Kummers schlägt
fehl. Das ist unwahr. Ich bin, um Selbst- mord auch nur zu
erwägen, ein viel zu gläubiger Mensch. Kaum Emotionen. Sie lächelt es weg.
Eine Fußspitze wippt; das Wippen geht ihr Bein hoch und in ihrem
großen Körper verloren. Lächeln, Lächeln,
Lächeln. Das Lächeln eines Einmeterfünfundachtzig-Hasen,
der beschlos- sen hat, glücklich zu sein.
025 Ihre Grußworte
an Mister Luis Miguel? Luis
Miguel, größter Popstar Südamerikas, dessen Trennung
von Mariah ein Auslöser ihres Nervenzusammenbruchs gewesen sein
soll. Sag ihm hallo. Es gibt keine bösen Gefühle,
keine Missgunst. Ich meine...
026 Ein Song, bei dem Sie
die Radiostation wechseln müssen, weil der Song Sie an eine
verflossene Liebe erinnert? Gibt es nicht. Ich liebe Musik. Ganz
gleich, welchen Song.
027 Sprechen durch Singen:
Welcher Liedtext auf Ihrem neuen Album fasst Ihre Emanzipation, die
Überwindung Ihrer Lebens- krise am schönsten zusammen?
Da gibt es sicher etwas in dem Spiritual Fly Like A Bird. Das war's. Ab jetzt wird
durchgelächelt. Das Spray, natürlich auch ein
Entspannungswerkzeug, müsste jetzt irgendwo zwischen Sofalehne und
ihrem Rücken stecken. Dort bleibt es versteckt. Wie leicht alles
wird, wenn man mal beschlossen hat, sich von nichts mehr berühren
zu lassen - hey! Süß! Süß! Ein Finger in ihren
Locken. Der Finger nimmt das Haar, wieder und wieder, wie eine
Häckelmasche auf.
028 Mariah, welches ist
das schönste Geräusch, vielleicht in Mutter Natur, das Sie
jemals mit eigenen Ohren gehört haben? Ich liebe den Klang
des Ozeans.
029 Wenn man es genau
nimmt: Ist es eine Fünf- oder eine 4 1/2-Oktaven-Stimme?
Hängt davon ab, ob ich am Tag zuvor ei- nen anstrengenden Auftritt
hatte und meinen Schlaf bekommen habe. Heute ist es wohl nur eine
Oktave.
030 Der letzte
US-Präsident, dem Sie einen Privatauftritt ge- währt haben?
Präsident Clinton. Seine Tochter Chelsea hat das vermittelt.
031 Ihr Mittel gegen
Heiserkeit? Heißes Wasser.
032 Können Sie
Gerüchte bestätigen, denen zufolge Sie auf der
Silvestersoiree von Saif al-Gaddafi auf den Bahamas live singen werden?
Saif al-Gaddafi, 33,
Architekt, Sohn des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi.
Ich bin diese Mariah Carey und ich habe nichts von dieser Einladung
gehört.
033 Korrekt, dass Sie ein
»and« - man denke an ihre Hymne Visions Of Love - über
volle zehn Sekunden lang halten können? Ein
»and« ist gar nicht einfach, weil das »n« nicht
einfach zu halten ist. Aber zehn Sekunden? Das schaffe ich. Zehn
Sekunden sind gar nicht so lang.
034 Sind Sie, auf eine
Art, auch Countrysängerin? Eine Coun- trysängerin...
warten Sie, da muss ich nachdenken. Nein. Finden Sie, dass ich eine
Countrysängerin bin? Mein Vater ist schwarz. Ich kann also gar
keine Countrysängerin sein. Ich stehe außerhalb dieser
Kategorie.
035 Ihre Länge in
Zentimetern? Ich bin fünf Fuß und neun Inches lang.
Das müssen Sie umrechnen. 5,9
Fuß gleich 1,75 Meter. Mit Schuhen bin ich natürlich
größer. Leute halten mich für winzig, bis sie mich zum
ersten Mal treffen: Huh! Du bist ja groß!
036 Ihr Idealgewicht?
Ich gehe nicht nach Kilogramm. Ich gehe danach, ob meine Kleidung
passt. Ich bin ein muskulöses Mäd- chen.
037 Ihre Botschaft an die
Millionen Frauen, die auf Diät sind? Seid realistisch. Seid
liebevoller zu euch selber. Vergesst Diäten. Sie tun euch weh.
Sport ist gesünder.
038 Die größte
Wahrheit, die Sie über Schönheitsoperationen sa- gen
können? Ich denke, das ist eine sehr persönliche
Entschei- dung. Hat man mal damit angefangen, ist es schwer, wieder
auf- zuhören.
039 Ein Tier, mit dem Sie
gern verglichen werden? Nein, doch eine andere Frage: Einverstanden,
dass Sie das natürliche Aussehen eines Bunnys haben? Eines
Bunnys? Gelächter. Sie
genießt das, kämmt mit beiden Händen ihre Haare
zurück, bevor sie in ihre Aus- gangslage, die lächelnde,
zurückkehrt. Wow. Danke. Das ist echt süß.
040 Großfrage: Was
ist ein Air Kiss? Ein Air Kiss ist die Begrüßung, die
du anwendest, wenn du ein anderes Mitglied der Musik- oder
Filmindustrie begrüßt. Du willst dein Make-up, du willst ihr
Make-up nicht gefährden. Wenn es ein Mann ist, willst du seinen
Kragen, Anzug oder sein Make-up nicht zerstören. Du bleibst also
zehn Zentimeter vor dem Gesicht des anderen stehen und küsst die
Luft.
041 Wann zum letzten Mal
vor dem Fernseher geweint? Ich weine über so viele Dinge.
So viele Dinge gehen einem direkt ins Herz. Ich weine über Briefe.
Ein Mädchen schrieb mir, dass sie als Kind missbraucht worden sei
und dass meine Musik ihr helfe, ihr Trau- ma zu verarbeiten. Es
rührt mich, wenn ich erfahre, welchen Ein- fluss ich auf das Leben
anderer Menschen habe.
042 Einverstanden, dass
Sie die Aura einer schmerzerfahrenen Frau haben? Ehrlich? Ich
betrete den Raum und Ihnen fällt »Schmerz« ein? Das
ist nicht gut.
043 Genau jetzt: Empfinden
Sie in irgendeinem Teil Ihres Körpers einen praktisch
unerträglichen Schmerz? Ich habe Hunger.
044 Wenn Sie swingen,
welcher Körperteil swingt am dollsten? Meine Hüften?
045 Wenn Sie liebeskrank
sind, welches Organ schmerzt am dolls- ten? Die Seele.
046 Keine Schmerzexpertin?
Keine Schmerzexpertin, nein, sicher nicht. Das wäre furchtbar. Ich
glaube nicht, dass ich Schmerzen ge- nießen kann. Ich bin durch
schmerzhafte Phasen gegangen, wie jeder Mensch, für die ich nun
Worte habe, über die ich nun singen kann. Das gibt den Schmerzen
nachträglich einen Sinn.
047 Ihr Langschlafrekord?
Ich wache zwischendrin auf. Stehe auf, esse, schlafe weiter. So schaffe
ich 15 Stunden. Im Bett bleiben kann ich fünf, sechs Tage lang.
Und länger.
048 Ihr nervöser Tick?
Den kenne ich nicht. Da bin ich anders. Ich habe gelernt, meine
Hände ruhig zu halten, gerade wenn um mich herum die Spannung
steigt.
049 Bei Ihren
sagenumwobenen Vocal Rests - Sprechpausen, bei denen Sie Ihre Stimme
schonen - halten Sie Papptafeln hoch. Die ulkigsten Botschaften auf
diesen Tafeln? Nein. No. Hot Tamale. Hot Tamale, sprich »Hot
Tamali«. Eine typische Mariah-Begrifflichkeit, die so viel wie
»besonders, schick, sexy, außergewöhnlich,
glamourös« bedeutet und erst durch inflationären
Gebrauch, vor allem in bedeutungs- leeren oder unpassenden Situationen,
ihren Witz und Charme entfaltet. Erspare mir die Einzelheiten. Spare me the details.
050 Korrekte Information,
dass Ihr Therapeut ein Pastor ist? Das kann man sagen, ja.
051 Der Name Ihres
Therapeuten? Pastor Clarence Keaton.
052 Der letzte brauchbare
Ratschlag von Pastor Clarence Kea- ton? Er möchte
eigentlich immer nur, dass ich Ruhe gebe, Pausen einlege, den Kontakt
zu mir selber halte, bei mir bin. Und er möchte, dass ich ihn
anrufe, wann immer ich seine Hilfe brauche, ganz gleich, wie viel Uhr
es ist.
053 Einverstanden, dass es
ein dummer Einfall wäre, sich in Ihren Therapeuten zu verlieben?
Die meisten meiner Ärzte sind Frauen. Das ist für mich also
kein Thema. Jetzt wollen wir,
hoppla, doch noch eine ernste Angelegenheit mit ihr verhandeln: wie
müde, traurig, niede- rgeschlagen sie wirklich ist. Der kleine
Mariah-Gesundheitscheck.
054 Immer noch
fernsehsüchtig? Nie gewesen. Immer nur radio- süchtig.
055 Immer noch
süchtig nach »Old El Paso cheese flavored tor- tilla
chips«? Nie gewesen. Ich liebe Pizza aus New York.
056 Testfrage: Wie viele
Kalorien hat eine Banane? Keinen Schim- mer.
057 Ein Vitaminprodukt,
auf das Sie schwören? Es gibt dieses eine B1-Produkt, das
nicht bitter schmeckt, sondern süß.
058 Ein Schlafmittel, das
Sie empfehlen können, weil es wirkt und dennoch nicht süchtig
macht? Ich empfehle heiße Milch mit Honig.
059 Das glamouröseste
verschreibungspflichtige Medikament auf Erden? Die Antwort auf
diese Frage kenne ich nicht.
060 Einverstanden, dass
Sie unter einer Comeback-Sucht lei- den? Sie hatten bestimmt drei!
Jeder kommt mir mit der Come- back-Theorie. Die Wahrheit ist: Du kannst
niemanden abschrei- ben, der talentiert ist und sein Talent nicht
aufgibt. Nein, ich bin nicht Comeback-süchtig. Ich bin
süchtig nach Musik.
061 Was macht das Leben
lebenswert? Gott hat uns das Leben geschenkt, das ist ein Segen.
Man muss es wie ein Geschenk neh- men, nicht wie eine Strafe. Jesus, es
gibt so viele wunderbare Dinge auf Erden: Musik, Freunde, Kollegen. Das
Schwierige ist, das zu erkennen und anzunehmen, was einem gegeben ist.
062 Ihr Beweis dafür,
dass es Gott gibt? Keine Beweise. Beweisen Sie mir das
Gegenteil! Ich spreche mit ihm jeden Tag.
063 Sind Sie
glücklich darüber, auf der Welt zu sein? Absolut.
064 Können wir, Ihre
Fans, Ihnen helfen, ein noch glücklicherer Mensch zu werden?
Oh Gott, was für
eine Frage! Der Tiefpunkt. Ich hasse es, wenn Sie glauben, ich
sei nicht glücklich! Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen,
Sie! Hören Sie damit auf! Sie
lächelt noch, während sie diese Worte ruft - unglaublich!
Unser Befund: Sie ist ent- weder hoffnungslos depressiv und suchtkrank.
Oder: ein All-American Girl, süß, lieb und rosafarben, das
einfach mehr CDs verkauft als an- dere. Eher: zweites. Im Folgenden:
Glamour-Fragen, Mariah-Style.
065 Die ausgefallenste
Moderegel, die Ihnen Andrew Leon Tal- ley, Modechef der amerikanischen
Vogue, beigebracht hat? Nein, keine Regel. Andrew sagte: Stil
kommt von innen. Er ist ein derart verständiger, kultivierter -
ein wunderbarer Mensch.
066 Richtig beobachtet,
dass Sie neuerdings mit einem Dreißi-
ger-Jahre-Marlene-Dietrich-Stil experimentieren? Ich würde
eher sagen: späte fünfziger Jahre, Marilyn Monroe. Für
eine besondere Nacht, das ist richtig, war ich vom
Marlene-Dietrich-Stil inspiriert.
067 Wie lange brauchen
Ihre Fingernägel zum Trocknen? Hängt davon ab, wer sie
macht. Lang. Zu lang.
068 Die schönsten
Treppen auf Erden, die Sie jemals in Haute Couture - eine Hand am
Geländer, einen Arm auf der Schulter eines Bodyguards -
hinabgeschritten sind? Die Spanische Treppe in Rom. Aber da
hatte ich irgendetwas an, keine Haute Couture. Es war ein spontaner
Einfall. Ich wollte meine Fans überraschen.
069 Der sexyste Gegenstand
in Ihrem Wohnzimmer? Da möchte ich eine neue Dekoration in
meinem Badezimmer erwähnen: lila- farbene, mit barocken
Blumenornamenten verzierte Kerzenlüster.
070 Ihr romantischstes
Erlebnis in einer Stretchlimousine? Über- schätzte
Stretchlimousinen! Diese Hip-Hop-Videos geben ein ver- zerrtes, ein
unrealistisches Bild von Stretchlimousinen wieder. Kein Platz, keine
Intimität. Der Fahrer hört alles.
071 Für die Show, den
großen Auftritt: Sind Sie gut im Ner-
venzusammenbrüche-Vortäuschen? Da ich nie einen
Nervenzu- sammenbruch erlebt habe, weiß ich auch nicht, wie ich
einen vor- täuschen sollte. Ich meine, wäre das ein
Nervenzusammenbruch, wenn ich hier das Glas vom Tisch wische? Huh, hier
liegt ein zerbrochenes Glas am Boden, kommt alle, helft mir! War das
gut? Ich bitte Sie.
072 Wenn Diamanten im Mund
- als Zahnersatz - typisch Hip-Hop sind, welche Körpergegend
für Diamanten ist typisch R & B? Ich sage, das
Dekolletee.
073 Wie viele Karat kann
der Mensch maximal an einem Finger tragen? So viele, wie man mir
schenkt. Nein, ehrlich. Ein Diamant- ring kann nicht schwer genug sein.
Wird der Ring zu schwer, be- nutze ihn als Hantel.
074 Das rockendste
Stück in Ihrer Diamantensammlung? Rok- kend wie teuer? Wie
auffällig? Sagt Ihnen die Rapgruppe The Di- plomats etwas? Das
schönste, das fetteste Stück hat mir Cam'ron von der
Hardcore-Rapgruppe The Diplomats geschenkt. Er hat es vor mir von
seiner Halskette genommen und mir überreicht.
075 Wie viel Dollar muss
man für die mit Diamanten verzierten Netzstrümpfe Ihres
Desouslabels Mariah Kiss Kiss bezahlen? Wir haben diese
Netzstrümpfe noch nicht im Programm, weil ich persönlich
keine Netzstrümpfe trage. Wenn wir sie herstellen, krie- gen sie
einen vernünftigen Preis.
076 Richtig, dass Sie ohne
Highheels Kopfschmerzen bekom- men? Wahr ist, dass ich über
keinerlei Erfahrungen im Laufen ohne Absätze verfüge.
077 Kennen Sie eine
zeitgemäßere, eine umfassendere Vision als, kurz gesagt,
Louis Vuitton? Oh, ja. Sie
schwingt nun ihre Beine von der Sofalehne herunter; setzt sich; wirft
ihre Lockenpracht mit einem Ruck nach vorne und wieder zurück - so
bringen Mädchen, die zum Voltigieren gehen, ihre Haare in Ordnung.
Ihre Haarpracht, Lächelpracht, Busenpracht. Für die, die es
bis jetzt noch nicht kapiert haben: Sie sieht brachial sexy aus. We
love her.
078 Richtige Beobachtung,
dass Sie eine sehr, sehr weibliche Person sind? Ich fühle
wie eine weibliche Frau, oh ja. Ich hoffe, das macht Ihnen keine Angst.
079 Manchmal genug vom
ewigen Lächeln, Lächeln, Lächeln? Manchmal, ja.
Ich lache lieber.
080 Ihre Definition von
Emanzipation? Befreiung von Zwang, Kon- trolle,
Unterdrückung oder der Macht anderer.
081 Ihre
Selbstverteidigungstechnik? Mein Bruder hat mir die
Kombinationen beigebracht, als ich noch klein war. Er war ein pro-
fessioneller Kickboxer.
082 Einverstanden, dass
Sie eine Ikone des Überlebens und der Befreiung sind? Ich
weiß, dass ich Frauen, die unter schlechtem Einfluss standen und
nun ihr Leben in die Hand nehmen, Vorbild sein kann, und ich
wertschätze das. Ich hoffe immer, dass ich Menschen helfen kann.
083 Die Vornamen Ihrer
besten Freundinnen? Josephine, Rachel.
084 Die Regeln einer
Mariah-Pyjama-Party? Sei schneller. Be fas- ter. Mehr sagt sie nicht. Man
stellt sich Mariah, Josephine und Rachel vor, wie sie in Pyjamas Fangen
spielen.
085 Der Inhalt Ihres
Lieblingsfilms Mean Girls?
Highschool-Dra- men.
086 Die Übersetzung
Ihres Lieblingswortes »fetch«? Gut. Geil. Schick.
Besonders. Eigenwillig. Keine Ahnung. Das fragt in Mean Girls das Dummerchen, das
nicht mitmachen darf, die Gang: »Was zum Teufel habt ihr immer
nur mit eurem >fetch<?« Es ist ein Slangbegriff aus
England. Ich übersetze es mit »das Unmögliche
möglich machen«.
087 Einverstanden, dass
Sie, als starke Frau, auch eine Schwulen- ikone sind? Ich
höre das, ja.
088 Ein Ding, das
nicht-schwule Männer von schwulen Männern lernen können?
Umgangsformen. Schwule Männer gehen mit den fabelhaftesten Frauen
aus. Nun, ich frage mich, warum. Endspurt:
Männer. Männer hatten wir ja überhaupt nich nicht.
089 Wie sieht in diesem
Frühjahr 2006 »the one and only« aus, von dem in jeder
R&B-Ballade die Rede ist? Er braucht Ruhe und ein starkes
Selbstbewusstsein, damit er mit meinem Lebensstil mithalten kann.
090 Ist es leichter, sich
in einen Bodyguard oder einen Back- ground-Sänger zu verlieben.
Natürlich, eine
topdämliche Frage! Nein, leider ist das eine gute Frage.
Ich kenne meine Background- Sänger zu gut, um mich in sie zu
verlieben. Nein, es läuft nicht so einfach.
091 Reicht eine Hand immer
noch aus, um alle Ihre Liebhaber abzuzählen? Ja.
092 Der Vorname Ihres
derzeitigen Liebhabers, den Sie hier - weltexklusiv im SZ-Magazin -
fallen lassen möchten? Jack. Mein Hund. Nach dem Interview wird der Reporter mit
einem Mitglied der Entourage und einem Latinojungen (unscheinbar; eher
klein; Baggy- Jeans) im Aufzug stehen. Latino ab. Das
Entourage-Mitglied, ihm hinter- hernickend: Das war er übrigens.
Ihr Neuer. Danke, Mariah. Zuletzt wol- len wir noch mal das Minimum
alles Sagbaren haben: das süße Nichts. Mit ihr kein Problem.
Sie hat ihr Atemspray wieder gefunden. Pscht!
093 Wie geht's Jack?
Großartig. Er ist auf dem Cover eines neuen Magazins namens K9.
094 Wie geht es Whitney?
Whitney Houston? Ich habe schon länger nicht mit ihr gesprochen.
095 Haben Sie
Informationen über den aktuellen Gesundheits- zustand von
Elizabeth Taylor, die anderen nicht zugänglich sind? Ich
fürchte, nein. Entschuldigung.
096 Wie hält man sich
einen lebenden Schmetterling? Delikate Sa- che. Du brauchst
bestimmte Temperaturen, eine bestimmte Luft- feuchtigkeit. Ich habe nur
diesen hier. Hebt ihre rechte Hand.
An ihrem Ringfinger steckt ein Schmetterling aus Brillanten.
Mein Glücks- bringer.
097 Ihr Ratschlag an die
erste deutsche Kanzlerin Angela Mer- kel? Wird sie sich durchsetzen in
der bösen, bösen Männerwelt? Sie kennt ihren Job
sicherlich besser, als ich ihn kenne. Sei stark. Bleib unabhängig.
Erlaube den Männeregos nicht, dich aufs Kreuz zu legen.
098 Und Ihre Botschaft an
all die Frauen, die den großen, roten Teppich hinabschreiten, und
- kracks - da bricht der Absatz? Genieße es. Mach einen
Moment daraus. Nimm Absatz und Schuh und schenke sie einem Fan.
099 Ihr Ernst, dass Sie
immer noch an den Weihnachtsmann glauben? Tun das nicht alle?
100 Ihre Frage an Marilyn
Monroe? Wie geht es dir, Schatz?
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