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presseberichte ¦ 2001
 
 
MARIAH CAREY: "SCHLUSS MIT DEM BRAVEN IMAGE"
So richtig konservativ ist sie ja nie gewesen. Doch ab sofort macht die Popprinzessin, was sie will. Und trägt, was ihr gefällt. Sie kann sich das leisten - in jeder Hinsicht

Auf goldenen Stilettos schwebt sie in die abgedunkelte Suite des Berliner Ritz Carlton, nur mit knappen Jeansshorts und einem wei- ßen Shirt bekleidet. Sexy wirkt sie - aber auch geschafft. Nach der Begrüßung lässt sich Mariah Carey, 31, erschöpft aufs Sofa fallen, eine Erkältung hat die Sängerin geschwächt. Trotz ihrer Heiserkeit kommt es für Mariah jedoch nicht in Frage, das Interview abzu- sagen: "Schließlich würde es mir noch schwerer fallen, gar nicht zu reden..." Also macht es sich die Popqueen auf dem antiken Möbel- stück bequem und erzählt - im Liegen - über ihre Wandlung vom All American Girl zur Sexbombe, über ihre neue Karriere im Filmbu- siness und über ihre angeblichen Divaallüren.

Gala Sie haben vor kurzem die Produktionsfirma gewechselt und jetzt bei Virgin den größten Vertrag in der Musikgeschichte unterschrieben. Was bedeutet das für Sie?
MARIAH CAREY Natürlich in erster Linie Geld (lacht). Nein, im Ernst: Ich bin total glücklich, weil ich endlich in einer Firma arbeite, in der Frauen in leitenden Positionen sind. Ich bin zwar keine Emanze, aber es hat mich in der Vergangenheit doch oft gestört, dass Frauen immer noch daran gehindert werden, hoch hinauszu- kommen. Außerdem war für mich die Zeit reif für eine Verände- rung.

Gala Offensichtlich nicht nur in musikalischer Hinsicht. In letzter Zeit wirken Sie noch sinnlicher als früher. Wie kam es zu der schrittweisen Verwandlung - erst das Mädchen von nebenan, jetzt Sexbombe?
CAREY Am Anfang meiner Karriere war es eine gute Entscheidung, mich der Öffentlichkeit mit einem weniger auffälligen Styling zu präsentieren. So konnten sich die Leute auf meine Stimme kon- zentrieren. Ich bin durch meine Songs bekannt geworden, nicht durch mein sexy Auftreten. Aber nach ein paar Jahren wurde mir das zu langweilig, weil ich nicht wirklich die Mariah darstellte, die ich bin. Auf viele mag es wie eine drastische Veränderung wirken, aber ich war schon immer so. Ich habe schon immer Hotpants getragen. Nur eben nicht in der Öffentlichkeit.

Gala Für diesen Look werden Sie häufig kritisiert - Sie wurden sogar zu einer der am schlechtesten angezogenen Frauen Amerikas ernannt. Tut das weh?
CAREY Ich sage Ihnen eins: Ich hasse Businessklamotten, sie sind sterbenslangweilig. Außerdem haben die Leute früher immer gemault: Warum zieht sie nicht mal etwas anderes an? Immer diese hochgeschlossenen biederen Kleider. Heute bin ich einigen zu sexy. Was soll's, man kann es eben nie allen recht machen. Hauptsache ich mag mich so, wie ich bin. Viel zu lange habe ich mir ein konservatives Image aufdrücken lassen. Damit ist jetzt Schluss. In meiner Jugend war ich immer frei und kreativ - schließ- lich stamme ich aus einer Künstlerfamilie, in der extravagante Showbizfreunde ein- und ausgingen. Als meine Karriere begann, musste ich einen großen Teil meiner Persönlichkeit unterdrücken. Wenn man jahrelang in der Öffentlichkeit in Rollkragenpullovern und langen Hosen herumlaufen muss, greift man zwangsläufig ir- gendwann auf Hotpants und knappe Shirts zurück.

Gala Über kaum einen anderen Popstar werden so viele Gerüchte ver- breitet wie über Sie. Angeblich stürzen Sie jeden Angestellten mit Ihrem divenhaften Benehmen in tiefe Verzweiflung. Zum Beispiel sollen Sie einmal eine Limousine wieder weggeschickt haben, weil sie nicht die passende Farbe hatte...
CAREY Schauen Sie sich diese Schuhe an (streckt ihre goldenen Highheels mit abgetragenen Absätzen hoch). Würde eine Diva mit ab- gewetzten Stilettos durch die Gegend laufen? Meine Shorts sind aus einer alten Jeans, ich habe sie selbst abgeschnitten, und mein Shirt ist aus Feinripp. Wäre ich eine Diva, würde ich in einer Gallia- no-Robe hier sitzen und mir mit einem Fächer Luft zuwedeln. Als ich drei war, haben sich meine Eltern scheiden lassen. Meine Mut- ter hat mich allein großgezogen, wir hatten nie viel Geld. Deshlab habe ich den Bezug zur Realität nie verloren. Ich habe wirklich schon die absurdesten Sachen über mich gelesen, zum Beispiel, dass ich auf Licht in Pink in meiner Suite bestehe. Sehen Sie hier irgendwo pinkfarbenes Licht?

Gala Nein. Können Sie über solche Herüchte lachen, oder schmerzt es Sie, so etwas zu lesen?
CAREY Ich nehme es meistens mit Humor. Schließlich ruiniert es nicht mein Leben, wenn sich jemand solche Story über mich aus- denkt. Die haben die Leser eh am nächsten Tag wieder vergessen. Allerdings gibt es Grenzen. Ich erinnere mich an ein paar Geschich- ten, bei denen ich weinen musste - daraus habe ich meine Konse- quenzen gezogen. Nachdem zum Beispiel jeden Tag neue Ge- rüchte darüber verbreitet wurden, mit wem ich gerade eine Affäre haben sollte, beschloss ich, einfach gar nicht mehr über mein Lie- besleben zu sprechen. Je mehr ich darüber spreche, desto schlim- mer wird es.

Gala Also gibt es keine Antwort auf die Frage, was Sie an Ihrem Freund, dem mexikanischen Sänger Luis Miguel, am meisten lieben?
CAREY Alles, was ich dazu sagen kann, ist: Zu einer perfekten Be- ziehung gehört, dass dein Partner deine inneren Werte liebt. Das ist das Wichtigste. Er muss dich zum Lachen bringen können. Und dir als Freund seine Schulter anbieten, wenn dir nach Weinen zu- mute ist. Allerdings denke ich über solche Dinge im Moment kaum nach. Ich arbeite so viel, dass fast meine gesamte Zeit dem Job gehört.

Gala Sie haben für den Film "Glitter", der im November in die Kinos kommt, nicht nur den Soundtrack geschrieben, sondern Sie spielen auch die Hauptrolle. Möchten Sie jetzt auch im Filmbusiness Karriere machen?
CAREY Das Schauspielern bringt auf jeden Fall großen Spaß. Und es ist eine Art Therapie für mich. Früher war ich total unsicher. Ich habe mir immer von anderen einreden lassen, was gut für mich ist und was nicht. Inzwischen weiß ich zum Glück selbst am besten, wer ich bin und was das Beste für mich ist.

Gala Welche Projekte sind Ihnen zur Zeit am wichtigsten?
CAREY Ich habe gerade mit Mira Sorvino den Independent-Film "Wise Girls" abgedreht - sort spiele ich eine Serviererin, die mit Drogen handelt. Das Kellnern fiel mir sehr schwer; immerhin war ich früher, als ich in Restaurants gejobbt habe, so ungeschickt, dass die Bosse mich immer sofort gefeuert haben. Keine sehr ruhmreiche Erfahrung.

Gala Was ist an den Gerüchten dran, dass Sie das nächste Bond- Girl werden sollen?
CAREY Oh, das Gerücht wurde mir auch schon zugetragen. Hört sich ziemlich spannend an...

Gala Ist Pierce Brosnan denn schon auf Sie zugekommen? Wie man hört, möchte er Ihnen extra eine Rolle auf den Leib schreiben lassen.
CAREY Wirklich? Ich habe noch nichts von ihm gehört. Aber wenn ich ihn treffe, werde ich ihn darauf ansprechen. Schließlich habe ich schon in einigen Videos gezeigt, dass ich kämpfen kann. Und im Video zu meinem Lied "Honey" habe ich sogar eine Geheimagen- tin gespielt - vielleicht kommt daher die Idee, dass ich als Bond- Girl geeignet sein könnte.

Gala Noch mal zurück zu "Glitter". Der Film ist zwar keine Autobio- grafie, weist aber gewisse Parallelen zu Ihrem Leben auf: Ein armes Kind träumt davon, ein Star zu werden und schafft es, weltweit Karriere zu machen. Gibt es noch andere Ähnlichkeiten der Filmfigur Billie mit Mariah?
CAREY Eine für mich ganz wichtige Ähnlichkeit: Billie ist genau wie ich ein Mix aus verschiedenen Kulturen. Mein Vater ist halb Afro- amerikaner und halb Venezolaner, meine Mutter Irin - ich weiß, was für Probleme "Mischlinge" in der Gesellschaft haben.

Gala Inwiefern?
CAREY Die Lage hat sich glücklicherweise schon sehr verbessert. Auch ich hatte es schon einfach als meine beiden älteren Ge- schwister und vor allem meine Eltern, die damals in New York noch massiven Anfeindungen ausgesetzt waren. Für mich war es weniger ein äußerer als ein innerer Konflikt: Ich wusste nicht, wer ich bin und wo ich hingehöre.

Gala Möchten Sie einmal Kinder haben?
CAREY Ehrlich gesagt, ich weiß es noch nicht. Ich weiß nur, es kann ein großes Problem sein, als Sprössling einer berühmten Person aufzuwachsen.

Gala Was würden Sie einem Kind denn mit auf den Weg geben?
CAREY Ich würde ihm vermitteln, dass innere Werte mehr zählen als Äußerlichkeiten. Ich würde es mit anderen zusammenbringen, die nicht das Glück haben, ein so gut situiertes Leben führen zu können. Wenn ein Kind diese Seite des Lebens niemals kennen lernt, besteht die Gefahr, dass es übersättigt und abgestumpft wird. Mein Nachwuchs müsste für sich begreifen: Das Leben, das ich führe, ist nicht selbstverständlich.

ZUR PERSON MARIAH CAREY
Als Plattenboss Tommy MOttola 1988 ein Demo-Tape der unbe- kannten New Yorker Backgroundsängerin mit dem biblischen Na- men hörte, bot er ihr sofort einen Vertrag an - ein Traum für das Mädchen, das am 22. März 1970 in ärmlichen Verhältnissen gebo- ren wurde. Mariah machte schnell weltweit Karriere, nebenbei war sie mit ihrem Förderer von 1993 bis 1998 auch noch verheiratet. In den USA schaffte sie bisher 15 Nummer-1-Hits, ERFOLG-REICHER WAREN NUR DIE BEATLES UND ELVIS PRESLEY. Vor kurzem schloss sie den größten Musikdeal aller Zeiten ab: Für drei Alben bekommt sie von Virgin Records die Rekordsumme von 190 Millio- nen Mark. Ihr Album "Glitter" erscheint im August, die Single "Lo- verboy" ist bereits ausgekoppelt.

Wen sie liebt
• Ihren Freund, den mexikanischen Sänger Luis Miguel
• Ihren Hund Jack. Für den Terrier bucht sie stets ein First-Class- Ticket.
• Marilyn Monroe. Sie hat sogar das Klavier ihrer Ikone ersteigert.

Was sie nervt
• Keine Kontrolle über das zu haben, was sie macht
• Dass ihr jedesmal, wenn sie sich mal mit einem Mann trifft, gleich eine Affäre angedichtet wird
• Hochgeschlossene Kleider

Ihre drei besten Freunde
• Mutter Patricia, die sie und ihre Geschwister allein großgezogen hat
• Ihre Jugendfreundin Josefine
• Musikproduzent Babyface alias Kenneth Edmonds





 
 
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