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MARIAH
CAREY: "SCHLUSS MIT DEM BRAVEN IMAGE"
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So richtig konservativ ist sie ja nie
gewesen. Doch ab sofort macht die Popprinzessin, was sie will. Und
trägt, was ihr gefällt. Sie kann sich das leisten - in jeder
Hinsicht
Auf goldenen Stilettos schwebt sie in die abgedunkelte Suite des
Berliner Ritz Carlton, nur mit knappen Jeansshorts und einem wei-
ßen Shirt bekleidet. Sexy wirkt sie - aber auch geschafft. Nach
der Begrüßung lässt sich Mariah Carey, 31,
erschöpft aufs Sofa fallen, eine Erkältung hat die
Sängerin geschwächt. Trotz ihrer Heiserkeit kommt es für
Mariah jedoch nicht in Frage, das Interview abzu- sagen:
"Schließlich würde es mir noch schwerer fallen, gar nicht zu
reden..." Also macht es sich die Popqueen auf dem antiken Möbel-
stück bequem und erzählt - im Liegen - über ihre
Wandlung vom All American Girl zur Sexbombe, über ihre neue
Karriere im Filmbu- siness und über ihre angeblichen
Divaallüren.
Gala Sie haben vor kurzem die Produktionsfirma
gewechselt und jetzt bei Virgin den größten Vertrag in der
Musikgeschichte unterschrieben. Was bedeutet das für Sie?
MARIAH CAREY
Natürlich in erster Linie Geld (lacht).
Nein, im Ernst: Ich bin total glücklich, weil ich endlich in einer
Firma arbeite, in der Frauen in leitenden Positionen sind. Ich bin zwar
keine Emanze, aber es hat mich in der Vergangenheit doch oft
gestört, dass Frauen immer noch daran gehindert werden, hoch
hinauszu- kommen. Außerdem war für mich die Zeit reif
für eine Verände- rung.
Gala Offensichtlich nicht nur in musikalischer
Hinsicht. In letzter Zeit wirken Sie noch sinnlicher als früher.
Wie kam es zu der schrittweisen Verwandlung - erst das Mädchen von
nebenan, jetzt Sexbombe?
CAREY Am Anfang
meiner Karriere war es eine gute Entscheidung, mich der
Öffentlichkeit mit einem weniger auffälligen Styling zu
präsentieren. So konnten sich die Leute auf meine Stimme kon-
zentrieren. Ich bin durch meine Songs bekannt geworden, nicht durch
mein sexy Auftreten. Aber nach ein paar Jahren wurde mir das zu
langweilig, weil ich nicht wirklich die Mariah darstellte, die ich bin.
Auf viele mag es wie eine drastische Veränderung wirken, aber ich
war schon immer so. Ich habe schon immer Hotpants getragen. Nur eben
nicht in der Öffentlichkeit.
Gala Für diesen Look werden Sie
häufig kritisiert - Sie wurden sogar zu einer der am schlechtesten
angezogenen Frauen Amerikas ernannt. Tut das weh?
CAREY Ich sage
Ihnen eins: Ich hasse Businessklamotten, sie sind sterbenslangweilig.
Außerdem haben die Leute früher immer gemault: Warum zieht
sie nicht mal etwas anderes an? Immer diese hochgeschlossenen biederen
Kleider. Heute bin ich einigen zu sexy. Was soll's, man kann es eben
nie allen recht machen. Hauptsache ich mag mich so, wie ich bin. Viel
zu lange habe ich mir ein konservatives Image aufdrücken lassen.
Damit ist jetzt Schluss. In meiner Jugend war ich immer frei und
kreativ - schließ- lich stamme ich aus einer
Künstlerfamilie, in der extravagante Showbizfreunde ein- und
ausgingen. Als meine Karriere begann, musste ich einen großen
Teil meiner Persönlichkeit unterdrücken. Wenn man jahrelang
in der Öffentlichkeit in Rollkragenpullovern und langen Hosen
herumlaufen muss, greift man zwangsläufig ir- gendwann auf
Hotpants und knappe Shirts zurück.
Gala Über kaum einen anderen Popstar
werden so viele Gerüchte ver- breitet wie über Sie. Angeblich
stürzen Sie jeden Angestellten mit Ihrem divenhaften Benehmen in
tiefe Verzweiflung. Zum Beispiel sollen Sie einmal eine Limousine
wieder weggeschickt haben, weil sie nicht die passende Farbe hatte...
CAREY Schauen Sie
sich diese Schuhe an (streckt ihre
goldenen Highheels mit abgetragenen Absätzen hoch).
Würde eine Diva mit ab- gewetzten Stilettos durch die Gegend
laufen? Meine Shorts sind aus einer alten Jeans, ich habe sie selbst
abgeschnitten, und mein Shirt ist aus Feinripp. Wäre ich eine
Diva, würde ich in einer Gallia- no-Robe hier sitzen und mir mit
einem Fächer Luft zuwedeln. Als ich drei war, haben sich meine
Eltern scheiden lassen. Meine Mut- ter hat mich allein
großgezogen, wir hatten nie viel Geld. Deshlab habe ich den Bezug
zur Realität nie verloren. Ich habe wirklich schon die absurdesten
Sachen über mich gelesen, zum Beispiel, dass ich auf Licht in Pink
in meiner Suite bestehe. Sehen Sie hier irgendwo pinkfarbenes Licht?
Gala Nein. Können Sie über solche
Herüchte lachen, oder schmerzt es Sie, so etwas zu lesen?
CAREY Ich nehme es
meistens mit Humor. Schließlich ruiniert es nicht mein Leben,
wenn sich jemand solche Story über mich aus- denkt. Die haben die
Leser eh am nächsten Tag wieder vergessen. Allerdings gibt es
Grenzen. Ich erinnere mich an ein paar Geschich- ten, bei denen ich
weinen musste - daraus habe ich meine Konse- quenzen gezogen. Nachdem
zum Beispiel jeden Tag neue Ge- rüchte darüber verbreitet
wurden, mit wem ich gerade eine Affäre haben sollte, beschloss
ich, einfach gar nicht mehr über mein Lie- besleben zu sprechen.
Je mehr ich darüber spreche, desto schlim- mer wird es.
Gala Also gibt es keine Antwort auf die Frage,
was Sie an Ihrem Freund, dem mexikanischen Sänger Luis Miguel, am
meisten lieben?
CAREY Alles, was
ich dazu sagen kann, ist: Zu einer perfekten Be- ziehung gehört,
dass dein Partner deine inneren Werte liebt. Das ist das Wichtigste. Er
muss dich zum Lachen bringen können. Und dir als Freund seine
Schulter anbieten, wenn dir nach Weinen zu- mute ist. Allerdings denke
ich über solche Dinge im Moment kaum nach. Ich arbeite so viel,
dass fast meine gesamte Zeit dem Job gehört.
Gala Sie haben für den Film "Glitter", der
im November in die Kinos kommt, nicht nur den Soundtrack geschrieben,
sondern Sie spielen auch die Hauptrolle. Möchten Sie jetzt auch im
Filmbusiness Karriere machen?
CAREY Das
Schauspielern bringt auf jeden Fall großen Spaß. Und es ist
eine Art Therapie für mich. Früher war ich total unsicher.
Ich habe mir immer von anderen einreden lassen, was gut für mich
ist und was nicht. Inzwischen weiß ich zum Glück selbst am
besten, wer ich bin und was das Beste für mich ist.
Gala Welche Projekte sind Ihnen zur Zeit am
wichtigsten?
CAREY Ich habe
gerade mit Mira Sorvino den Independent-Film "Wise Girls" abgedreht -
sort spiele ich eine Serviererin, die mit Drogen handelt. Das Kellnern
fiel mir sehr schwer; immerhin war ich früher, als ich in
Restaurants gejobbt habe, so ungeschickt, dass die Bosse mich immer
sofort gefeuert haben. Keine sehr ruhmreiche Erfahrung.
Gala Was ist an den Gerüchten dran, dass
Sie das nächste Bond- Girl werden sollen?
CAREY Oh, das
Gerücht wurde mir auch schon zugetragen. Hört sich ziemlich
spannend an...
Gala Ist Pierce Brosnan denn schon auf Sie
zugekommen? Wie man hört, möchte er Ihnen extra eine Rolle
auf den Leib schreiben lassen.
CAREY Wirklich? Ich
habe noch nichts von ihm gehört. Aber wenn ich ihn treffe, werde
ich ihn darauf ansprechen. Schließlich habe ich schon in einigen
Videos gezeigt, dass ich kämpfen kann. Und im Video zu meinem Lied
"Honey" habe ich sogar eine Geheimagen- tin gespielt - vielleicht kommt
daher die Idee, dass ich als Bond- Girl geeignet sein könnte.
Gala Noch mal zurück zu "Glitter". Der
Film ist zwar keine Autobio- grafie, weist aber gewisse Parallelen zu
Ihrem Leben auf: Ein armes Kind träumt davon, ein Star zu werden
und schafft es, weltweit Karriere zu machen. Gibt es noch andere
Ähnlichkeiten der Filmfigur Billie mit Mariah?
CAREY Eine für
mich ganz wichtige Ähnlichkeit: Billie ist genau wie ich ein Mix
aus verschiedenen Kulturen. Mein Vater ist halb Afro- amerikaner und
halb Venezolaner, meine Mutter Irin - ich weiß, was für
Probleme "Mischlinge" in der Gesellschaft haben.
Gala Inwiefern?
CAREY Die Lage hat
sich glücklicherweise schon sehr verbessert. Auch ich hatte es
schon einfach als meine beiden älteren Ge- schwister und vor allem
meine Eltern, die damals in New York noch massiven Anfeindungen
ausgesetzt waren. Für mich war es weniger ein äußerer
als ein innerer Konflikt: Ich wusste nicht, wer ich bin und wo ich
hingehöre.
Gala Möchten Sie einmal Kinder haben?
CAREY Ehrlich
gesagt, ich weiß es noch nicht. Ich weiß nur, es kann ein
großes Problem sein, als Sprössling einer berühmten
Person aufzuwachsen.
Gala Was würden Sie einem Kind denn mit
auf den Weg geben?
CAREY Ich
würde ihm vermitteln, dass innere Werte mehr zählen als
Äußerlichkeiten. Ich würde es mit anderen
zusammenbringen, die nicht das Glück haben, ein so gut situiertes
Leben führen zu können. Wenn ein Kind diese Seite des Lebens
niemals kennen lernt, besteht die Gefahr, dass es übersättigt
und abgestumpft wird. Mein Nachwuchs müsste für sich
begreifen: Das Leben, das ich führe, ist nicht
selbstverständlich.
ZUR PERSON MARIAH CAREY
Als Plattenboss Tommy MOttola 1988 ein Demo-Tape der unbe- kannten New
Yorker Backgroundsängerin mit dem biblischen Na- men hörte,
bot er ihr sofort einen Vertrag an - ein Traum für das
Mädchen, das am 22. März 1970 in ärmlichen
Verhältnissen gebo- ren wurde. Mariah machte schnell weltweit
Karriere, nebenbei war sie mit ihrem Förderer von 1993 bis 1998
auch noch verheiratet. In den USA schaffte sie bisher 15 Nummer-1-Hits,
ERFOLG-REICHER WAREN NUR
DIE BEATLES UND ELVIS PRESLEY. Vor kurzem schloss sie den
größten Musikdeal aller Zeiten ab: Für drei Alben
bekommt sie von Virgin Records die Rekordsumme von 190 Millio- nen
Mark. Ihr Album "Glitter" erscheint im August, die Single "Lo- verboy"
ist bereits ausgekoppelt.
Wen sie liebt
• Ihren Freund, den mexikanischen Sänger Luis Miguel
• Ihren Hund Jack. Für den Terrier bucht sie stets ein
First-Class- Ticket.
• Marilyn Monroe. Sie hat sogar das Klavier ihrer Ikone ersteigert.
Was sie nervt
• Keine Kontrolle über das zu haben, was sie macht
• Dass ihr jedesmal, wenn sie sich mal mit einem Mann trifft, gleich
eine Affäre angedichtet wird
• Hochgeschlossene Kleider
Ihre drei besten Freunde
• Mutter Patricia, die sie und ihre Geschwister allein
großgezogen hat
• Ihre Jugendfreundin Josefine
• Musikproduzent Babyface alias Kenneth Edmonds
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